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Ist Ungarn ein Jagdparadies?


Ja und nein.

Ungarn ist ein Jagdparadies für Trophäenjäger, die das notwendige Geld für die Abschüsse als Gastjäger mitbringen. Als Auswanderer wird es schwerer, ein ‘normales’ Jagdleben wie im Heimatland aufzubauen. Der folgende Artikel gibt einen Einblick in die Jagdsituation in Ungarn und die Möglichkeiten als ausländischer Jäger.

Ungarn hat reiche Jagdgründe in ihren zirka 1‘400 Jagdrevieren mit einer Durchschnittsgrösse von 6‘000 ha.1)

Das Interesse ausländischer Jäger wecken insbesondere Arten, die in den heimischen Revieren nicht mehr oder nur sehr selten anzutreffen sind. Dazu zählen insbesondere Rotwild, Damwild, Muffel und Niederwild aber auch Schwarzwild. Wer die Trophäen beim Rotwild oder die Strecken bei Hasen- und Fasanenjagd sieht, kann schon ins Schwärmen kommen.

Wildbestände in Ungarn 2021 laut OVA (gerundet)2) :
  • Rotwild 120‘000
  • Damhirsch 40‘000
  • Rehwild 380‘000
  • Mufflon 12‘000
  • Wildschwein 65‘000
  • Hasen 485‘000
  • Fasan 625‘000
  • Rebhuhn 12‘000
Dabei hat sich das Gesicht der Jagd in Ungarn über die Jahre verändert.

Waren in den 60er Jahren etwa 19‘300 Jäger in Ungarn registriert, hat sich die Anzahl auf 67‘200 in 2021 mehr als verdreifacht. Darin enthalten sind etwa 2‘800 Berufsjäger sowie 3‘400 Jägerinnen.3), 5)

In diesem Zeitraum hat sich auch ein Trend beim erlegten Wild abgezeichnet. Lag der Fokus in den 60er bis 90er Jahren auf Niederwild mit in der Spitze bis zu über 50 erlegten Tieren pro Jäger, hat sich das auf ein heutiges Niveau von etwa 10 Stück stark reduziert. Gleichzeitig hat sich das erlegte Hochwild, was in den 60er bis 80er Jahren etwa 1-3 Stück pro Jäger ausmachte nun auf 5-6 Stück pro Jäger entwickelt.3)


Als ausländischer Jäger in Ungarn jagen, geht das? Ja, aber.
 
Einen Jagdschein in Ungarn zu erwerben dürfte für die meisten Jäger eine Utopie bleiben. Neben dem 100-stündigen Jagdkurs (etwa 150‘000 HUF) und anschliessender Prüfung (20‘000 HUF) sowie einer psychologischen Untersuchung, einem ärtztlichen Eignungstest und einem Führungszeugnis ist die Sprachbarriere die wohl grösste Hürde. Alle Prüfungen werden nur in ungarisch abgehalten. Und innert nützlicher Frist auf das Sprachniveau zu kommen, ist kaum vorstellbar. 4)
 
Die wohl von den meisten Jägern genutzte Möglichkeit besteht in Form eines Einladungsjagens mit Jagdschein aus dem Heimatland und einer in Ungarn zusätzlich erworbenen Jagdkarte.
 
Und hier wird bei Ausländern ordentlich zugelangt. Nach Angaben der Nationalen Jagdverwaltungsdatenbank kommen jedes Jahr 25‘000-30‘000 ausländische Jäger, was der Branche fast 7 Milliarden Forint pro Jahr beschert.5)
 
Der Trophäenhunger der ausländischen Jäger scheint ungebrochen. So wird von den Jagdgesellschaften auch wie selbstverständlich erwartet, dass man auf grosse Trophäen aus ist, die weil nach Gewicht abgerechnet, erheblich mehr Umsatz einbringen als der Abschuss eines weiblichen Tieres. Fleischjäger sind damit ebenso wenig gern gesehen, wie Jäger, denen es nicht um Trophäen geht.
 
Als Besonderheit gilt in Ungarn die Pflicht, Trophäen von Rothirsch, Damschaufler, Rehbock, Muffelschnecken und Keilerwaffen über 16 cm bewerten zu lassen innert 30 Tagen nach Abschuss.
 
Und so wurden im Jagdjahr 2020/21 67‘182 Trophäen vergeben, wobei 13‘182 von ausländischen Jägern erlegt wurden, was aufgrund der Pandemiemassnahmen nur etwa 50% der normalen Menge ausmachte.2)

Es gibt zahlreiche Jagdreiseanbieter, die organisierte Jagden bei entsprechenden Jagdgesellschaften oder in Staatsrevieren anbieten. Für Jagdreisende aus EU Staaten ist eine Einladung und der EU Feuerwaffenpass notwendig, um Jagdwaffen einzuführen. Die Einfuhr von Kurzwaffen ist dabei nicht gestattet.
 
Entweder der Jagdreiseveranstalter oder die Jagdgesellschaft besorgen gegen Entgelt eine ungarische Jagdkarte. Dazu benötigt man Reisepass, heimatlichen Jagdschein, Waffenbesitzkarte soweit erforderlich. Dann geht es mit dem Berufsjäger ins Revier. Die aufgerufenen Preise für Abschüsse variieren von Anbieter zu Anbieter zum Teil mit signifikanten Nebenleistungen, die für ungarische Verhältnisse preislich oft überzogen sind. Dafür hat es einige Jagdgesellschaften, die sehr schöne Häuser in Ungarn besitzen, wo man nach der Jagd noch gut zusammen sitzen kann.
 
Das grosse Glück hat, wer eine eigene Immobilie in Ungarn hat, lokal ist und sehr gute Freunde in Jagdgesellschaften hat, die einen oft als Gast mitnehmen oder der Sechser im Lotto: in eine Jagdgesellschaft aufgenommen zu werden. Die Aufnahme in eine Jagdgesellschaft ist dabei eher unwahrscheinlich, da in den meisten Fällen die Plätze ‘vererbt’ oder an ‘verdiente Mitbürger’ vergeben werden. Es mag Ausnahmen geben, aber die bewegen sich entweder im Bereich Einzelfall oder kommen durch Unternehmensmitgliedschaften für gehobene Positionen zustande.
 
Es gibt Kollegen von einem befreundeten Immobilienmakler in Ungarn, die einen Überläuferabschuss für EUR 400 vorschlagen oder Handwerker, die einen in die örtliche Jagdgesellschaft auf eine Hasen- und Fasanenjagd mitnehmen, wo die Kosten einen Kasten Bier betragen. In Ungarn gibt es fast alles, bis auf ein geregeltes Jägerleben für ausländische Jäger, die Auswandern nach Ungarn.
 
Allein durch Feld und Flur zu streifen, anzusitzen oder zu pirschen über eine Revierpacht oder entgeltliche Jahresvereinbarungen ist nahezu unmöglich, da immer eine Begleitung aus der Jagdgesellschaft oder vom Berufsjäger auferlegt wird.
 
Tip für Auswanderer mit Haus in Ungarn: Heimatadresse, lokalen Jagdschein und EU-Feuerwaffenpass behalten und Jagdwaffen zum temporären Gebrauch einführen. Alles andere ist als Jäger fast ausgeschlossen. Ohne ungarischen Jagdschein, keine Waffenlizenz in Ungarn, daher auch kein Waffenbesitz.
 
Datenquellen:
  1. Hungarowild, 16.02.22
  2. Országos Vadgazdálkodási Adattár Gödöllö, 2021
  3. M. Korecz, Vadaász blog, 01.02.22
  4. mfor.hu, 20.11.20